Drei auf einen Streich

Drei auf einen Streich – so könnte die Überschrift über diesem Artikel lauten, wenn es sich nicht um
ein auf gut zwei Jahre verteiltes Beschaffungsprogramm handeln würde. Optisch sind die Fahrzeuge
so ähnlich geworden, dass Sie in der Sicht von vorne kaum zu unterscheiden sind – sie wirken wie aus
einem Guß. Ausgangsposition für die Einleitung der Beschaffung war die dringende Notwendigkeit,
drei Großfahrzeuge der Baujahre 1990, 1991 und 1992 altersbedingt auszutauschen. Bei zweien
dieser Fahrzeuge handelte es sich und die zweiten Löschfahrzeuge der Löschzüge Vorst und St. Tönis
(TLF 16/25 + LF 16/12), beim dritten Fahrzeug um den Rüstwagen des Löschzuges St. Tönis.

Es wurden zwei Arbeitsgruppen gebildet (HLF20 + RW) die sich über einen längeren Zeitraum mit den
Planungen beschäftigten und auch entsprechende Musterfahrzeuge in Augenschein nahmen.

Bei den Löschfahrzeugen, die auf die erste Ausrückeposition der jeweiligen Einheiten kommen sollten, wurde großer Wert auf eine gute Motorisierung und Fahrsicherheit gelegt. Es wurden daher
Mercedes-Benz-Fahrgestelle 1629 AF mit Allison-Wandlerautomatikgetriebe beschafft. Alle drei beschafften Fahrgestelle haben einen Radstand von 4.200 mm und verfügen über Schleuderketten.

Im Mannschaftsraum der beiden Rosenbauer AT-Fahrzeuge entfiel der Melderplatz zugunsten eines
Action-Towers, der sich in der Zwischenzeit sehr gut bewährt hat. Jeweils sechs Pressluftatmer
wurden im Mannschaftsraum verbaut. Neben dem Vorteil, bei einer Menschenrettung schon
mehrere Trupps auf der Anfahrt ausrüsten zu können, wurde auf der Vorteil gesehen, dass sich die
Trupps „im Ruhe“ in der Kabine für den Einsatz fertig machen können, falls die Kräfte, wie üblich,
nach und nach an der Einsatzstelle gebraucht werden. Ein weiterer positiver Nebeneffekt ist der
zusätzliche Stauraum, der sich im Geräteraum ergibt.

Man entschied sich für einen 2.400 Liter Wassertank und einen 200 Liter Tank mit
Mehrbereichsschaummittel – als Pumpe ist eine Rosenbauer N35 – Normaldruck verbaut. Über einen
separaten Zumischer Z 4, der direkt an einen B-Abgang angekuppelt wird, erfolgt die
Schaumerzeugung an der Einsatzstelle. In den Fahrzeugen verbaut ist eine Rosenbauer N35-
Normaldruckpumpe. Auf beiden Fahrzeugen ist als Sonderbeladung ein tragbarer oszillierender
Monitor Leader Partner Maxforce (mit Schaumaufsatz) verladen. Für den Bereich technische
Hilfeleistung ist ein hydraulischer Rettungssatz der Firma Weber mit entsprechendem Zubehör auf
dem Fahrzeug verlastet. Ein Stab-Fast-System zur Abstützung von Fahrzeugen rundet den TH-Bereich
ab. Am Heck befinden sich je eine Schlauch- und eine Verkehrssicherheitshaspel. Auf beiden
Fahrzeugen sind sowohl Digital- als auch Analogfunkgeräte verbaut. Sämtliche
Kommunikationsgeräte laufen auf der Basis eines Car-PC-Systems aus dem Hause Carls. Beschafft
wurde ebenfalls je ein AED (Zoll AED Plus) zur besseren Absicherung der Feuerwehrangehörigen bei
Einsatz- und Übungstätigkeiten. Die beiden Fahrzeuge konnten im Oktober 2014 und April 2015 in
Dienst gestellt werden. Beide Fahrzeuge stellen einen Anschaffungswert von rund 890.000,– EUR
dar. Die Erfahrungen im Einsatzdienst sind sehr gut – hier zahlt sich die gute Abstimmung zwischen
den Projektteams und den Fachleuten des Aufbauherstellers Rosenbauer aus.

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Der Nachfolger eines RW 2 aus dem Jahre 1992 ist ein wirkliches Unikat. Viele Monate an
Planungsarbeit und Abstimmungen führten zu einem wirklich sehenswerten Rüstwagen – definitiv
kein Fahrzeug von der Stange. Auf einem Mercedes-Benz-Fahrgestell 1629 AF wurde von Rosenbauer
eine AT-Gruppenkabine verbaut, die über insgesamt 6 Sitzplätze (Besatzung 1/5) verfügt – das
Fahrgestell des RW ist ebenfalls mit einem Allison-Wandlerautomatikgetriebe ausgestattet. Auf den
entfallenden Plätzen zur Gruppenstärke sind Schranksysteme und ein Action-Tower eingebaut. Die
Sitzplätze im Mannschaftsraum sind mit insgesamt 4 Pressluftatmern ausgerüstet. Ein weiteres
auffallendes Detail ist die Ladebordwand aus dem Hause Palfinger (Typ Palfinger MBB 1500), die den
hinteren Abschluss eines Mitteltunnels für zwei Lade-Rollis bildet. Die Mitnahmemöglichkeit für
wechselnde Belademodule war einer der zentralen Punkte bei diesen Beschaffungsprojekt. Als
festeingebauter Stromerzeuger wurde ein Baumgartner (Österreich) 30 KVA-Generator mit je 3
400V- und 240 V-Steckdosen verbaut. Bei der hydraulischen Zugeinrichtung handelt sich um eine
festeingebaute Seilwinde vom Typ Rotzler TR 030/6. Mit Gesamtkosten in Höhe von EUR 448.000,–
konnte das veranschlagte Budget von 450.000,– gehalten werden. Das Beschaffungsprogramm der
drei Großfahrzeuge kostete die Stadt Tönisvorst insgesamt rund 1.350.000 EUR. Besonders
hervorzuheben ist die gute Zusammenarbeit mit der Kommunalagentur NRW, die die Beschaffung
der Großfahrzeuge begleitete. Aktuell sind weitere Kleinfahrzeuge in der Beschaffung: es müssen
zwei MTF von 1997 (eins ist bereits aus technischen Gründen ausgefallen) ersatzbeschafft und ein
Kommandowagen für den Führungsdienst ebenfalls ersatzbeschafft werden. Hierfür werden weitere
rund 100.000 EUR durch den Träger des Feuerschutzes bereitgestellt.

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